Kategorie: artist in residence

Silvia Berger

Im Kunsthaus Stove, August 26

Es gibt Orte, da kommt man zum zweiten oder dritten Mal hin und sie fühlen sich vertraut an. Und es gibt Orte, die sind ein Zuhause vom ersten Schritt an, mit dem man sie betritt. So – für mich – das Kunsthaus Stove mit seinem Garten, in dem man sich Äpfel, Birnen und Beeren zum Frühstück pflückt. Ich habe noch keinen Ort erlebt, an dem ich mich vom ersten Augenblick an mit so ungebrochener Konzentration einem Projekt – hier Bilder, Zeichnungen, Texte einer sehr persönlichen Theologie – widmen konnten, unterbrochen nur von Spaziergängen und Fahrradfahrten in einer ruhigen/beruhigenden Landschaft mit weiten Blicken über Felder, Wälder und das Meer. Und man kehrt wieder zurück in die Räume, deren warm farbige Lehmwände einen wie ein Tuch umhüllen. Schlanke Skulpturen und Bilder von feiner Abstraktion sind die stillen Mitbewohner neben den Menschen, die man dort in Person trifft, im Haus, im Garten, für kurze Begegnungen oder auch einmal für intensiveren Austausch. Der Wunsch beim Abschied nach drei Wochen? Das Kunsthaus soll ein zweites, ein drittes Mal zum Zuhause werden.

Cornelia Koepsell

Mitten zwischen den wunderschönen, ätherischen Skulpturen des Künstlers Thought Raven im Haus und im Garten, wo mir die Äpfel, Birnen, Tomaten, Brombeeren und Himbeeren in den Mund wuchsen – hier im Kunsthaus Stove durfte ich ein vierwöchiges Aufenthalts – Stipendium verbringen. Tiefenentspannt.

Zu meinem Lieblings – Ausflugsort wurde der Strand unter der Steilküste Rerik.

Er erinnerte mich an die Ostsee bei Lübeck, wo ich mit drei Jahren begeistert Sand schaufelte und Burgen baute in der festen Überzeugung etwas Großes und Einzigartiges zu erschaffen.

Abends abhängen und schreiben und lesen und malen.

Dr. Maria Faust

Dr. Maria Faust

Ein magischer Ort

August/September 2026

Nicht nur die lauen Sommerabende im Kunsthaus Stove waren es, die diesen Ort so magisch machten: angekommen im Altweibersommer hatte ich für 4 Wochen die Gelegenheit mich voll und ganz auf meine erkenntnistheoretischen wissenschaftlichen Fragen rund um den Aura- und Landschaftsbegriff zu konzentrieren. Und eben jene 4 Wochen ging ich der Frage nach, wie sich durch digitale Medien die Wahrnehmung von Landschaft verändert und wie wir in einer Welt, in der wir einen großen Teil unserer Zeit vor Bildschirmen verbringen, Natur erleben und ob und wie sich um diese immer noch eine Aura konstituiert. Just diese Landschaftserfahrung in und um Stove, die ich mit Rad, zu Fuß und vor allem sinnierend machen durfte, beförderte einen kreativen Produktivitätsschub, der sich schließlich in einer endlich zu Tage getretenen Definition von Aura wiederfand.
Magisch waren auch die Begegnungen im Kunsthaus selbst: Ida und Elisa waren stets zur Seite, wenn praktische Fragen geklärt werden sollten und gaben warmherzig Tipps und begeisterten auch mit anregenden lebensweltlichen Gesprächen; die Künstlerin Karen Pakebusch segnete mich mit detailreichen Diskussionen zu Walter Benjamin und meine anderen zwei künstlerischen Mitstreiterinnen verwickelten mich in allerhand theologische und geistreiche Gespräche der Schriftstellerei. Wir saßen bei Wein und selbst gekochtem Essen zusammen, tauschten Erfahrungen über den Kunstbetrieb aus während draußen Igel, Fledermäuse und allerhand Stare den Garten des Kunsthauses bewohnten und uns mit ihrer Anwesenheit beehrten. Der Garten selbst lud zu allerlei kulinarischen Erlebnissen ein: so kochten wir Salbei Nudeln, würzten unsere Linsensuppe mit angebauten Kräutern und die Birnen, Mirabellen, Äpfel und Tomaten segneten uns reich.
Die raue Naturerfahrung – sei es in Boiensdorf am Strand oder in Wismar am Hafen, auf dem Mühlberg im Ort oder die zauberhaften Wege gen Altbukow – war also nicht nur Ort meiner geistigen Umtriebe, sondern auch gleichsam Kulisse für ein Schreiben ohne fixe Termine, tägliche Unterbrechungen und einzigartig, weil der Alltag endlich einmal in den Hintergrund trat. Das Leben im Einklang mit der Natur war somit nicht nur wissenschaftlicher Schauplatz, sondern eine sehr intensive Selbsterfahrung, an die ich wohl noch lange zurückdenken werde. Wer weiß – vielleicht kehre ich zurück, steige erneut in den Fluss, der beim zweiten Mal nicht derselbe ist – aber mit Sicherheit wieder neue Magie entfaltet!

Sabrina Binek

Vierzehn Tage im Kunsthaus Stove

Vierzehn Tage Leben und Schreiben in einer anderen Welt.
Die Ruhe, durchbrochen vom Hahnenschrei und Möwengesang.
Frische. Frische Luft, Natur und Weite.
Das Meer, das Salzhaff vom Schreibtisch aus zu erahnen.
Ein wundersamer Zaubergarten mit genug Raum (und gutem WLAN) zum Schreiben.
Immer etwas zu Beobachten. Großartige Inspirationen.
Ruhe. Gedanken und Ideen sammeln. Kraft tanken.
Interessante Bekanntschaften mit anderen Künstlerinnen.
Aufmerksamen und sorgsame Gastgeberinnen.
Immer gern wieder.
Herzliche Dank.

Sabrina Binek, Schriftstellerin aus Berlin

Brigitte Klick

Videoaufnahme von Carla Botzenhardt

Artist in residence Juni 2026

Auch ich war im Juni 2026 im Kunsthaus Stove, zusammen mit Carla (siehe vorherigen Beitrag). Mit meinem gebrochenen Fuß war mein Bewegungsradius ziemlich eingeschränkt. Umso dankbarer war ich, wenigstens den wunderschönen Garten genießen zu können. Überall gab es lauschige Sitzplätze – halbschattig oder sonnig, ganz wie man es gerade brauchte.
Für meine Malerei hatte ich mir kein konkretes Thema vorgenommen und tat mich zunächst etwas schwer, ins Arbeiten zu kommen. Möglicherweise lag das gerade an meiner eingeschränkten Beweglichkeit – der Schwung fehlte mir ein wenig. Doch die üppige Gartenpracht und die langen, sonnigen Tage führten mich nach einigen ersten Skizzen schließlich doch zur abstrakten Malerei. Das klare Licht der ausdauernden Sonne zog sich dabei mit der Farbe Gelb wie ein „roter“ Faden durch meine Arbeiten.
Das Atelier bot ausreichend Platz für uns beide. Carla und ich kannten uns bereits seit längerer Zeit aus Berlin und von gemeinsamen Ausstellungen. Wie vermutet harmonierten wir auch beim gemeinsamen Arbeiten sehr gut.
Gern erinnere ich mich an die stillen Arbeitszeiten, an die Stunden im Liegestuhl im Garten mit guten Gesprächen und an die Ausflüge, die wir trotz meines Fußes mit Ruftaxi, Bus und Bahn unternahmen. Für uns verwöhnte Städter waren sie manchmal durchaus abenteuerlich, aber immer vergnüglich. Besonders Schwerin hat es mir angetan.
Diese Zeit wird nachwirken – sowohl in meiner künstlerischen Arbeit als auch durch die Ruhe, die wir dort erleben durften.
Ein besonderer Dank gilt Ida und Elisa, die den Garten mit den wunderbar passenden Holzarbeiten von Thought Raven in ein kleines Paradies verwandelt haben und uns ausgezeichnete Gastgeberinnen waren.
Wer weiß – vielleicht wiederhole ich das eines Tages noch einmal.
Herzlich
Brigitte

Zu meinen Arbeiten:

Die Eindrücke dieser Zeit spiegeln sich auch in meinen Bildern wider. Ausgangspunkt waren zunächst gegenständliche Arbeiten. Im weiteren Malprozess löste ich mich jedoch immer mehr von der sichtbaren Form. Der sonnige Garten ist in den Bildern nicht mehr als Motiv präsent, wohl aber als Erfahrung.
Ich arbeite hauptsächlich mit Acrylfarben auf Leinwand, bevorzugt im Format 80 × 80 cm, ergänzt durch Stifte und Kreiden. Im Mittelpunkt meiner abstrakten Malerei steht das Zusammenspiel der Farben. In vielen Schichten entstehen Spuren und angedeutete Formen – Ausdruck von Stimmungen und Wahrnehmungen, die ich während des Malprozesses erfahre.
(Carla hat Impressionen von zwei dort entstandenen Arbeiten im Video aufgenommen. – s. oben)

Carla Botzenhardt

Scivias-Schriftkreise

Im Juni 2026 durfte ich für dreieinhalb Wochen zu Gast im Kunsthaus Stove sein. Es ist ein inspirierender Ort, der bezaubert und an dem man jeden Tag neue Entdeckungen macht.

Der Skulpturengarten war für mich eine wichtige Inspirationsquelle für die Arbeit an den Scivias-Schriftkreisen, die ich kalligraphisch mit Texten von Hildegard von Bingen gestaltet habe. Dabei habe ich auch das von ihr erfundene Alphabet, die Litterae Ignotae, verwendet. Das Atelier wurde zu meinem Skriptorium. Dort habe ich mich intensiv mit den Texten aus dem Scivias auseinandergesetzt, Hildegards erster und wohl bekanntester theologischer Schrift.

Sich dem lateinischen Original Wort für Wort zu widmen, war eine bereichernde Erfahrung. Einen Text immer wieder zu kopieren, schafft eine besondere Vertrautheit mit zunächst unvertrauten Inhalten und eröffnet neue Zugänge zu ihnen. Scivias bedeutet „Wisse die Wege“ – ein Titel, der wunderbar zu den Wegen im Garten passte. Die Ruhe dieses Ortes und seine enge Verbundenheit mit der Natur haben wesentlich zum Gelingen meiner Arbeit beigetragen.

Ich bin dankbar, dass ich dort als Stipendiatin arbeiten durfte. Die in dieser Zeit gewonnenen Erfahrungen wirken nach und werden mich noch lange begleiten. Mit neuen Ideen, einer reichen Ernte an Eindrücken und fertigen Arbeiten bin ich nach Berlin zurückgekehrt.

Carla Botzenhardt
Buchstabenkunst – Schrift – Workshops
Homepage: carlabo.de
Instagram: www.instagram.com/skribule/

Katina Georgoulas

Impressionen meines Kunst-Studienaufenthalt in Stove 2026

Vogelgezwitscher, Sonne, der inspirierende Garten , die kreative Ausstrahlung dieses Ortes entfaltet sich jeden Tag mehr und nimmt mich mit in die Entspannung.
Es ist ein Geschenk, in dieser Stille und fern ab von Hektik und Ablenkung jeden Tag zu malen.
Das Wohnhaus empfängt mich mit viel Wärme, so wie auch die Gastgeberinnen Ida Schillen und Elisa Rodé, die jetzt in der etwas kühlen Frühlingszeit den Skulpturen- Garten herrichten.
Meine Arbeit im Atelier, welches sehr groß ist, wird durch diesen intensiven Arbeitsaufenthalt immer befreiter und drückt sich in malerischen, abstrakten Bildern auf Papier und Leinwand aus. Hier kann man große Formate bearbeiten, eine Idee, die mich begleiten wird.
Die Kraft dieses Ortes ist für mich eine tolle Erfahrung.

Katina Georgoulas
www.katina-georgoulas.de

Birgit Straub – 2025

Die Arbeitswoche hat mir sehr gut gefallen, und ich war auch zufrieden mit meinen Arbeiten, die ich im tollen Atelier so ungestört malen konnte.
Die Atmosphäre des Hauses, das ganze Ensemble mit dem wunderschönen Garten und das große Atelier empfinde ich zusammen mit der wunderbaren Gegend als sehr inspirierend. Die Landschaft und ihre Farben findet immer einen Nachklang in meinen Bildern.

Birgit Straub

www.birgit-straub.de