Dr. Maria Faust
Ein magischer Ort
August/September 2026
Nicht nur die lauen Sommerabende im Kunsthaus Stove waren es, die diesen Ort so magisch machten: angekommen im Altweibersommer hatte ich für 4 Wochen die Gelegenheit mich voll und ganz auf meine erkenntnistheoretischen wissenschaftlichen Fragen rund um den Aura- und Landschaftsbegriff zu konzentrieren. Und eben jene 4 Wochen ging ich der Frage nach, wie sich durch digitale Medien die Wahrnehmung von Landschaft verändert und wie wir in einer Welt, in der wir einen großen Teil unserer Zeit vor Bildschirmen verbringen, Natur erleben und ob und wie sich um diese immer noch eine Aura konstituiert. Just diese Landschaftserfahrung in und um Stove, die ich mit Rad, zu Fuß und vor allem sinnierend machen durfte, beförderte einen kreativen Produktivitätsschub, der sich schließlich in einer endlich zu Tage getretenen Definition von Aura wiederfand.
Magisch waren auch die Begegnungen im Kunsthaus selbst: Ida und Elisa waren stets zur Seite, wenn praktische Fragen geklärt werden sollten und gaben warmherzig Tipps und begeisterten auch mit anregenden lebensweltlichen Gesprächen; die Künstlerin Karen Pakebusch segnete mich mit detailreichen Diskussionen zu Walter Benjamin und meine anderen zwei künstlerischen Mitstreiterinnen verwickelten mich in allerhand theologische und geistreiche Gespräche der Schriftstellerei. Wir saßen bei Wein und selbst gekochtem Essen zusammen, tauschten Erfahrungen über den Kunstbetrieb aus während draußen Igel, Fledermäuse und allerhand Stare den Garten des Kunsthauses bewohnten und uns mit ihrer Anwesenheit beehrten. Der Garten selbst lud zu allerlei kulinarischen Erlebnissen ein: so kochten wir Salbei Nudeln, würzten unsere Linsensuppe mit angebauten Kräutern und die Birnen, Mirabellen, Äpfel und Tomaten segneten uns reich.
Die raue Naturerfahrung – sei es in Boiensdorf am Strand oder in Wismar am Hafen, auf dem Mühlberg im Ort oder die zauberhaften Wege gen Altbukow – war also nicht nur Ort meiner geistigen Umtriebe, sondern auch gleichsam Kulisse für ein Schreiben ohne fixe Termine, tägliche Unterbrechungen und einzigartig, weil der Alltag endlich einmal in den Hintergrund trat. Das Leben im Einklang mit der Natur war somit nicht nur wissenschaftlicher Schauplatz, sondern eine sehr intensive Selbsterfahrung, an die ich wohl noch lange zurückdenken werde. Wer weiß – vielleicht kehre ich zurück, steige erneut in den Fluss, der beim zweiten Mal nicht derselbe ist – aber mit Sicherheit wieder neue Magie entfaltet!