Kategorie: Kunststipendium

Miriam Wurster

Kunststipendiatin Frühjahr 2021

Präsentation im Atelier – Foto J. Hofmann

10 große Grafiken „Zugvögel beobachten mich“

Am Anfang stand das Thema der Serie. Die Ostseeküste ist bekannt für schöne Natur und eine vielfältige Vogelwelt, viele Vogelbeobachtende zieht es deshalb hierher. Ich habe den Spieß mal umgedreht und mir vorgestellt, dass die Vögel ja auch uns beobachten könnten, bzw. es auch tun.
Daraus entstand die Überschrift „Zugvögel beobachten mich“.
Wenn ich auf Reisen bin, erkunde ich gern die Gegend und halte das zeichnerisch oder auch textlich fest. Mit dem Vogelthema war dazu eine gute Grundlage gelegt.
Schon seit längerem habe ich den Plan, analog und sehr groß zu zeichnen, durch das Stipendium im Atelier des Kunsthaus Stove hatte ich nun die Möglichkeit dazu.
Bei meinen nachmittäglichen Erkundungen hatte ich bereits im Hinterkopf, nach einem Motiv Ausschau zu halten, das mir reizvoll erschien, um es mit Pinsel und Tusche auf 70x100cm zu zeichnen. Oft waren es am Ende nur ganz kleine Momente oder unscheinbare Orte, wie der kurvige Radweg zwischen Stove und Blowatz eine Regenphase im Buswartehäuschen oder ein (angeblich spektakulärer) Fahrradunfall.
Die ersten Motive waren zuerst linear gezeichnet, später begann ich dann, die Strukturen, die ich benötigte, um die Vogelperspektive darzustellen, mehr auszuarbeiten. Den Getreideturm von Rostock zum Beispiel, habe ich grafisch fast komplett nachgemauert.
Das Groß zeichnen bedeutete, die Waage zu finden zwischen Kontrolle und mutigem Duktus, durchgehend konzentriert zu sein, ohne zu verkrampfen. Auch die Tagesform entscheidet die Qualität des Strichs.

wurster-cartoon-blog.de

Alessandra Tudisco

Alessandra Tudisco aus Palermo ist Stipendiatin und hat im Januar 2021 im Kunsthaus Stove gearbeitet:


Un mese prima della partenza, ho spedito a Stove uno scatolone colmo di miei lavori stracciati e sono partita con l’unica e semplice idea di conservare l’energia di quella pittura buttandone il formalismo. Accordare l’energia ormai dissonante e anacronistica a quella attuale.

In seguito è avvenuto il lavoro di macerazione della carta, che rappresentava una morte pilotata verso una nuova vita. Ma la materia si è ribellata alla mia imposizione e mi ha risucchiata.

Se in un primo momento volevo imporre la mia idea di nuovo, poi sono stata annichilita dalla stessa materia che stavo plasmando. Questa nuova vita si è manifestata a dispetto e contro di me, che non sono affatto artefice e generatrice di nuovo. Ma piuttosto è stato dal caos del vecchio ordine che è nato un nuovo assoluto ancora per me incomprensibile. Mi sento come se questi fogli si fossero formati da soli, senza darmi alcun ascolto, posizionandosi a loro piacimento, mentre io ero ancora protetta e vestita da quel passato che ho ucciso e che mi ha ucciso.

Ho partecipato a questa resurrezione, come se fossi più materia della carta stessa, in balia della sua forza nascente.

Sono divenuta una sorta di deus sacrificalis, lacerata nel buco tra il vecchio e il nuovo, scollata dalla mia stessa esistenza. Ho vissuto sul corpo l’esperienza della dissociazione.  Solo allora mi sono poggiata al suolo cercando il sostegno della terra, sottomessa all’incognito, pronta ad auto partorirmi ed essere madre della mia stessa resurrezione. Sono simultaneamente potenza generatrice e nuovo assoluto e finalmente mi allontano da quel doloroso e necessario oblio di me, divenuto cosciente.


Übersetzung ins Deutsche von Leslie Valeska Schillen:

Einen Monat vor der Abfahrt habe ich einen großen Karton nach Stove geschickt, der bis oben hin gefüllt war mit meinen zerrissenen Arbeiten. Aufgebrochen bin ich mit der einzigen und einfachen Idee, durch das Abwerfen der steif gewordenen Form die Energie dieser Bilder zu erhalten; die mittlerweile dissonante und überholte Energie anhand der aktuellen nachzustimmen.

Daraufhin folgte das Aufweichen des Papiers, ein Tod, in Richtung eines neuen Lebens. Aber die Materie hat sich meinem Befehl widersetzt und mich aufgesogen.

Als ich in einem ersten Moment versuchte, meine Idee durchzusetzen, wurde ich von der Materie, die ich dabei war zu formen, vernichtet. Das neue Leben hat sich ohne mein Zutun und gegen mich manifestiert, ich bin keineswegs Herstellerin und Schöpferin von Neuem. Viel eher ist das neue Ganze, das für mich noch unverständlich war, aus dem Chaos der alten Ordnung geboren. Es fühlt sich an, als hätten sich diese Blätter von alleine formiert, ohne mir im geringsten Gehör zu schenken. Sie ordneten sich nach ihrem Belieben an, während ich noch von der Vergangenheit geschützt und bekleidet war, die ich umgebracht habe und die mich umgebracht hat.

Ich habe diese Auferstehung erlebt, als wäre ich Materie des Papiers selbst, in der Gewalt seiner gebärenden Kraft.

Ich bin eine Art sich opfernde Göttin geworden, gerissen in das Loch zwischen dem Alten und dem Neuen. Ausgeschnitten aus meiner eigenen Existenz. Ich habe mit meinem Körper eine Spaltung durchlebt. Erst jetzt spüre ich wieder Boden unter meinen Füßen, suche den Halt der Erde, dem Unbekannten ergeben, bereit mich selbst zu gebären und die Mutter meiner eigenen Auferstehung zu sein. Ich bin ebenso die erschaffende Kraft wie das neue Ganze und endlich entferne ich mich von dem schmerzhaften und notwendigen Verlieren meiner selbst, das nun bewusst geworden ist.


Etappen der Arbeit im Atelier. Die fertigen Bilder werden in der Pfingsausstellung 2021 gezeigt.

Kunststipendium OSTSEE 2020/21

Die Entscheidung ist gefallen.

Es sind insgesamt 271 Bewerbungen eingegangen. Auf Grund der für Künstlerinnen und Künstler momentan sehr schwierigen Situation hat der Verein sich entschieden, für den Zeitraum 2021 bis Ende 2022 insgesamt 11 Aufenthaltsstipendien für zwei bis 4 Wochen zu vergeben.

In alphabetischer Reihenfolge:
Alessandra Tudisco
Andrea Ziegler
Barbara Duisberg
Betty Wirtz
Line Hübotter
Miriam Wurster
Nicole Bellaire
Petra Grupp
Silke Rath
Ute Wennrich
Walter Dohmen

 

Julia Vogel

Julia Vogel ist eine der drei Stipendiatinnen des Kunststipendiums Ostsee 2018

„Als gelernte Siebdruckerin leite ich seit 2014 eine Druckwerkstatt in Ganderkesee zwischen Bremen und Oldenburg. Die Zeit während meines vierwöchigen Aufenthalts-Stipendiums in Stove nutzte ich ausgiebig für eigene Arbeiten in den von mir bevorzugten Techniken Siebdruck und Monotypie. Aber auch neues wollte ich ausprobieren und so entstanden etliche Collagen und Mischtechniken, die ihren Weg in das ebenfalls begonnene Künstlerbuch fanden.


Als selbstständige Dozentin waren diese vier Wochen ein großes Geschenk und eine Möglichkeit, Ideen und Projekte anzugehen, die im Alltag keine oder viel zu wenig Zeit finden.
Intensiv war für mich auch die Auseinandersetzung mit mir selbst, da es hier im Ort sehr ruhig und beschaulich zugeht und ich das Haus, den großen Garten und das Atelier komplett für mich alleine hatte. Die Ruhe und Muße in kreativer Weise zu nutzen war ein spannendes Experiment, das hervorragend funktioniert hat. Zum anderen entstanden während dieser Zeit viele neue positive Ideen zu besonderen Projekten, nicht nur kreativer Art, sondern auch beruflich. Die Schönheit der Landschaft, die Klarheit der Farben während dieser ungewöhnlich milden Oktobertage und die Nähe zur Ostsee waren überaus inspirierend und erholsam. Und ich empfand mich als überaus produktiv – produktiver, als ich es in den letzten Jahren jemals war.

Alles in allem bin ich sehr dankbar für die Möglichkeit, mich einem Monat lang mit meinem kreativen Ich in aller Stille auseinanderzusetzen, Dinge entstehen zu lassen, die schon lange als Idee in meinem Kopf herumschwirrten und zuletzt diese wunderbare Landschaft, seine Menschen und das Meer intensiv zu er-fahren, vor allem mit den Rad.

Ich bedanke mich sehr bei Ida Schillen, Elisa Rodé und dem Verein Meerkultur e.V. für diese Möglichkeit der kreativen Auszeit und werde in Zukunft öfters auf diese Weise versuchen, meinen Ideen und Gedanken mehr Raum zu ermöglichen. Und wo könnte das besser funktionieren als an der schönen Ostsee?“

https://www.craftschoepferey.de/

Gesa Reuter

Gesa Reuter (www.gesareuter.art/)  ist eine von drei Stipendiatinnen des „Kunststipendium Ostsee“, das vom Verein Meerkultur e.V. ausgeschrieben wurde. Sie ist im Mai/Juni zu einem Kreativaufenthalt für einen Monat im Kunsthaus Stove und hat ihre Werke am Pfingstwochenende 2019 im Atelier ausgestellt,

Ausstellung Gesa Reuter, Malerei und Thought Raven, Holzskulpturen

Pressemitteilung
Gesa Reuter und trio boisé im Kunsthaus Stove

Mit Gesa Reuter präsentiert erstmals eine Kunststipendiatin des Vereins
Meerkultur e.V. ihre Werke. Die Ausstellung zu Kunst Offen bildet den Abschluss
ihrer vierwöchigen Arbeitsphase im Kunsthaus Stove.
Zu sehen sind vielschichtige abstrakte Landschaften, die das wechselnde Farbspektrum am Salzhaff und auf Poel zu dieser Jahreszeit wiedergeben. Gesa Reuter arbeitet dünnflüssig auf Papier, Holz oder Leinwand mit Aquarell, Gouache, Tinte und Acryl und schafft damit Spuren, Muster, Risse, Strukturen wie die Natur selbst es auch tut. Die Ausstellung trifft auf Skulpturen des Künstlers Thought Raven (1961-2017), der das Kunsthaus Stove künstlerisch geprägt hat. Das gesamte Ensemble aus Haus, Atelier und Skulpturengarten eröffnet sich den Besuchern immer wieder neu.

Kammerkonzert mit dem trio boisé

Am Sonntag, 9. Juni, 15 Uhr gibt das trio boisé ein Konzert im Atelier. Die Fagottistin Laura Brown, die Klarinettistin Leslie Valeska Schillen und der Klarinettist Sungjin Choi spielen Kompositionen und Arrangements aus drei Epochen. Auf dem Programm stehen unter anderem ein Divertimento von Wolfgang Amadeus Mozart, ein Trio von François Devienne und Menuette von Joseph Haydn.

Kunsthaus Stove

Das Kunsthaus Stove existiert seit 2013. Das gesamte Ensemble bildet eine Raumskulptur, die nach der künstlerischen Konzeption des Bildhauers und Malers Thought Raven entwickelt und zusammen mit seiner Schwester Ida Schillen und der Familie des Künstlers umgesetzt wurde. Das Wohnhaus wurde behutsam und ökologisch instandgesetzt. Es entstand ein Skulpturengarten. An den Wegen zeigen sich Bäume, Skulpturen aus Eiche, eine Kräuterschnecke, Krater- und Hügelbeete. 2016 wurde ein Strohballenlehmhaus als Atelier neu gebaut. Der Verein Meerkultur e.V. bewirtschaftet den Skulpturengarten und das Atelier. Nach dem plötzlichen Tod des Künstlers Thought Raven im Sommer 2017 arbeitet der Verein mit interessierten KünstlerInnen zusammen, die das künstlerische Ambiente schätzen und das Atelier für eigene Projekte nutzen können. Der Verein vergibt seit 2018 Aufenthaltsstipendien für KünstlerInnen.

Öffnungszeiten zu Kunst Offen an Pfingsten im Kunsthaus Stove

Samstag und Sonntag, 8. und 9. Juni 2019, jeweils 10 bis 18 Uhr
Sonntag, 9. Juni, 15 bis 16 Uhr, Kammerkonzert

www.ostseekreativ.de
www.gesareuter.art
Pressekontakt Meerkultur e.V. im Kunsthaus Stove
Ida Schillen | Telefon: 0160 9836 8167
E-Mail: post@kunsthaus-stove.de
Mühlenstr. 12/Eingang Niendorfer Weg 2 | 23974 Stove

Kunststipendium Ostsee 2018/2019

Insgesamt haben sich 152 Künstlerinnen und Künstler für das Kunststipendium Ostsee 2018 beworben. Die Jury hat sich aufgrund der sehr qualifizierten Bewerbungen mit der Auswahl schwer getan. Es hat insgesamt viel Zeit beansprucht, alle Bewerbungen zu sichten und eine Entscheidung zu treffen. Nach intensiver Diskussion hat der Vorstand des Vereins Meerkultur e. V. entschieden, in diesem Jahr statt einem nun drei Stipendien zu vergeben und dafür die nächste Ausschreibung erst in zwei Jahren vorzunehmen.

Die Preisträgerinnen der Ausschreibung zum Kunststipendium Ostsee stehen fest:
(in alphabetischer Reihenfolge)

Lisa Hoffmann
Kreativaufenthalt im Kunsthaus Stove im Dezember 2019

Gesa Reuter
Kreativaufenthalt im Kunsthaus Stove im Mai 2019, Ausstellung an Pfingsten 2019

Julia Vogel
Kreativaufenthalt im Kunsthaus Stove im Oktober 2019

Ende 2019 wird der Verein das nächste Kunststipendium OSTSEE ausschreiben. Das Stipendium wird für einen Aufenthalt ab Herbst 2020 vergeben werden.